Corona


von Dominik Weis und Jan Korte, Stand 17.03.2020

Liebe Mitmenschen,

die Corona-Pandemie kann verheerende Auswirkungen haben, falls wir nicht die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt treffen. Das Robert-Koch-Institut schreibt: "Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch eingeschätzt" [RKI, 2020a] (die Quellen findet ihr unten). Nach einer ersten groben Rechnung von mir werden im schlimmsten Fall 3 Millionen Menschen in Deutschland sterben (Erklärung unten). Das ist kein Grund zur Panik. Sondern ein Grund, mitzudenken und gegebenenfalls zu handeln.
Es ist wichtig, dass wir zuhause bleiben, auf uns aufpassen und uns gegenseitig unterstützen. Und zwar jetzt, und nicht erst wenn unsere Regierung entsprechende Entscheidungen trifft. Denn es kommt auf jeden Tag an.

Problematik

Das Virus wird sich vermutlich solange weiter ausbreiten, bis ungefähr 70 % der Bevölkerung einmal infiziert war [RKI, 2020d] und danach (zumindest eine Zeit lang) immun ist. Aufgrund der exponentiellen Ausbreitung würde das bei der bisherigen Geschwindigkeit in Deutschland noch grob einen Monat dauern. Unser Gesundheitssystem würde es nicht annähernd schaffen, so viele Erkrankte auf einmal angemessen zu versorgen. Deshalb würde nach einer Schätzung von [Pueyo, 2020] die Sterberate von 0,5 % auf 5 % steigen. 5 % von 70 % von 83 Millionen Menschen in Deutschland macht 3 Millionen.

Es ist also wichtig, die Belastung des Gesundheitssystems zu minimieren, unter anderem indem wir die Ausbreitung des Virus möglichst verlangsamen. Eine wichtige Maßnahme hierfür ist soziale Distanzierung, also möglichst wenige Menschen zu treffen. Die Deutschen Gesellschaften für Infektiologie (DGI) und Innere Medizin (DGIM) schrieben am 16.03.:

In der letzten Woche sind mit der Absage von Großveranstaltungen und Schließung von Schulen und Kindertagesstätten bereits wichtige Schritte unternommen worden. Diese Maßnahmen reichen aber nicht aus. Die weitere Ausbreitung von COVID-19 kann nur durch noch deutlich weitergehende Einschränkungen des öffentlichen Lebens verhindert werden: Hierzu zählt die völlige Schließung von gastronomischen Betrieben und nicht-systemrelevanten Arbeitsstätten. Wie in anderen Ländern sollten Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen unterbleiben. [DGI, 2020]

Diese Maßnahmen werden spürbare negative Konsequenzen haben. Diese Konsequenzen sind aber klein im Vergleich zu den möglichen Auswirkungen einer nicht ausreichend gebremsten Corona-Pandemie.

Arbeiten, die für die nächsten Monate lebenswichtig sind, sollten mit geeigneten Schutzmaßnahmen fortgesetzt werden. Dazu gehören unseres Erachtens zum Beispiel auch die Lieferketten des Lebensmittelsektors und Gesundheitssystems.

Vermutlich setzt unsere Regierung diese Maßnahmen in der nächsten Zeit um. Darauf können wir aber nicht warten. "Wie in vergangenen Pandemien gezeigt werden konnte, sind diese bevölkerungsbasierten Maßnahmen zur Kontaktreduzierung durch Schaffung sozialer Distanz besonders wirksam, wenn sie in einem möglichst frühen Stadium der Ausbreitung des Erregers in der Bevölkerung eingesetzt werden." [RKI, 2020b]

Zuhause bleiben

Falls eure Erwerbsarbeiten nicht für die Gesellschaft lebensnotwendig sind: Bleibt zuhause.
Falls eure Erwerbsarbeiten lebensnotwendig sind, aber ihr auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen seid: Euer Nachbar, dessen Arbeit nicht lebensnotwendig ist, bleibt zuhause. Also benötigt er sein Auto nicht. Bittet ihn, euch für die Dauer der Pandemie sein Auto zur Verfügung zu stellen.

Wir benötigen von unserer Regierung Unterstützung, unter anderem weil unsere Geldquelle wegfällt wenn wir zuhause bleiben. Ein Bedingungsloses Grundeinkommen für die Dauer der Pandemie wäre gut. Darauf können wir aber nicht warten. Bis dahin: Lasst euch krankschreiben. Ein Arzt mit Verstand und Zivilcourage wird das tun. Das geht ab jetzt auch telefonisch.

Umeinander kümmern

Es gibt "Risikomenschen", die im Falle einer Infektion mit einer größeren Wahrscheinlichkeit schwer erkranken. Das sind Menschen ab 60 Jahren, Raucher und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen [RKI, 2020c].
Falls ihr keine Risikomenschen seid und keine größeren Einschränkungen habt: Fragt eure Nachbarn, ob sie Unterstützung brauchen. Ihr könnt zum Beispiel für sie einkaufen. Wenn ihr mit Menschen redet, haltet mindestens zwei Meter Abstand. Falls ihr Risikomenschen seid oder Einschränkungen habt: Klingelt bei euren Nachbarn und bittet sie um Unterstützung. Falls euch dringend benötigte Lebensmittel fehlen weil sie ausverkauft sind: Euer Nachbar hat viel davon eingekauft. Bittet ihn, euch etwas abzugeben.

Gesund bleiben

Ernährt euch gut. Schlaft genug. Geht spazieren. Telefoniert mit Menschen die ihr mögt.
Lasst euch nicht lähmen oder in Panik versetzen von den sich überstürzenden Meldungen. Konsumiert tagesaktuelle Nachrichten eventuell nur in dem Umfang, wie ihr sie benötigt um gute Entscheidungen zu treffen. Macht zeitweise euer Handy aus.

Weitere Informationen

Informiert euch über weitere Verhaltensempfehlungen, z.B. hier:

Unterstützung

Erwägt, diesen Text an alle Menschen zu verbreiten, von denen ihr irgendwelche Kontaktdaten habt. Ihr könnt uns zudem unterstützen in dem ihr diesen Text übersetzt, für Menschen die wenig deutsch lesen können. Also auf englisch, arabisch, kurdisch, französisch...

Kontakt

Bei Fragen, Anmerkungen und Unterstützungsangeboten könnt ihr eine E-Mail schreiben an corona@postelein.de. Oder falls ihr benachrichtigt werden möchtet wenn es etwas neues von uns gibt.


Alles Gute

Dominik Weis und Jan Korte

Quellen

[DGI, 2020] DGI und DGIM (16.03.2020). Stellungnahme der DGI und DGIM: Leben retten! – nur eine rasche „Notbremsung“ kann jetzt helfen. www.dgi-net.de/leben-retten-nur-eine-rasche-notbremsung-kann-jetzt-helfen/ abgerufen am 17.03.2020

[Pueyo, 2020] Tomas Pueyo (13.03.2020). Coronavirus: Why You Must Act Now. https://medium.com/@tomaspueyo/coronavirus-act-today-or-people-will-die-f4d3d9cd99ca abgerufen am 13.03.2020

[RKI, 2020a] Robert-Koch-Institut (Stand: 17.03.2020). Risikobewertung zu COVID-19. www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikobewertung.html abgerufen am 17.03.2020

[RKI, 2020b] Robert Koch-Institut (13.03.2020). COVID-19: Jetzt handeln, vorausschauend planen. Strategie-Ergänzung zu empfohlenen Infektionsschutzmaßnahmen und Zielen (2. Update). Epid Bull 2020;12:3 – 6 | DOI 10.25646/6540 www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/12_20.html?nn=13490888 abgerufen am 17.03.2020

[RKI, 2020c] Robert-Koch-Institut (Stand: 13.03.2020). SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19). www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html#doc13776792bodyText2 abgerufen am 17.03.2020

[RKI, 2020d] Robert-Koch-Institut (Stand: 16.03.2020). Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2 www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html abgerufen am 17.03.2020